Casa Blanka
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 Withofs Und Berendrechtsche Hochzeitsfest.

Joann. Philipp. Laurent. I.H.F. Withof, Med. Cand.

1746

 

 

Non ulla Deo meliore cohaerent

Pectora, non alias decuit Concordia mentes.

Statius Sylv. Lib. II. Carm. 2.

Ja, ja der Vorsicht weiser Schluß

Trotzt auch den dauerhaften Eichen;

Der Stahl vergeht, der Marmor muß

Doch endlich der Verwesung weichen,

Die Vorsicht bleibt, sie gibt nicht nach,

Was auch die größte Kunst vermag

Wird hier beschämt zurück getrieben:

Allein so fest ihr Schluß auch sei,

Bleibt dennoch unsre Wirkung frei,

Wir können Laster fliehn, und wahre Tugend lieben.

 

Die Torheit irrt. Der eitle Sinn

Will Wasser, Kot und Sand bepflügen,

Er wendet sich zum Schatten hin,

Und findet nichts, als Missvergnügen;

Drückt ihn der Vorsicht schwere Hand?

O nein, sein eigner Unverstand

Will nichts, als Spreu und Schalen haben,

er liebt den dunst, er hasst das Licht,

Er sieht sein Wohl und kennt es nicht;

Wer aber kostet wohl, wer schmeckt verworffne Gaben?

 

Betrogner Zeno nur hinaus!

Du bist ein Sklave auf der Erden,

Das Stroh wird eh zum Lorbeerstrauß

Als ich von dir ein Schüler werden:

Du bist viel härter, als ein Stein,

Und so soll auch das Schicksal sein?

Und soll auch selbst den Schöpfer zwingen?

Wie Himmel bleibst du noch in Ruh,

Und hörest solchen Lehren zu,

Und lässest solchen Tand vor deine Ohren bringen?

 

Gott liebet uns, denn er ist gut,

Er wird uns nicht zum Bösen führen,

Der Unverstand, ein feiger Mut

Pflegt aus uns selber herzurühren:

Gott hat uns ohne Zwang gemacht,

Und uns Erkenntnis beigebracht,

Wir, wir verderben unsre Sachen:

Denkt, kleine Geister, denkt zurück,

Wie könnt ihr doch ein blindes Glück

Zur Herrscherin der Welt und euren Götzen machen?

 

Wie wenn ein Adam schändlich fällt

Und Irrtum mehr, als Wahrheit liebet,

Derselbe sich dennoch verstellt,

Und alles auf die Gattin schiebet,

So leugnen wir noch immer hin

Wenn der noch ungeübte Sinn

Sich etwa hier und dar versehen,

Wir klagen aus verkehrtem Wahn

Die harte Reih der Folgen an,

Und wollen unsre Schuld aus Hochmut nicht gestehen.

 

So irrt der Mensch. Er sucht sein Wohl

Auf Staub und Wind und Dampf zu gründen,

Wo also Segen wohnen soll,

Da kann er kaum die Spuren finden.

Wie schwitzt er nicht, wie wallt das Blut!

Der Endzweck ist wohl manchmal gut,

Allein er kann ihn nicht erreichen:

Ein falscher Weg wird gut genennt,

Eh man noch dessen Anfang kennt,

Wer aber Ophir sucht muss von Ägypten weichen.

 

Das Glück bewohnt ein offnes Haus,

Und ruht auf dessen Quaterstücken,

Es teilt die Güter willig aus,

Man suche nur herzuzurücken;

Nur wer den Pflug von vornen treibt,

Und Esau, wenn er hinten bleibt,

Wird was er suchet selten finden:

Wer zeitig kommt, bedächtlich geht,

Der wird befriedigt und erhöht,

Und kann sein wahres Wohl auf Marmorsäulen gründen.

 

Klagt immer, kleine Seelen, klagt,

Und flucht dem widrigen Geschicke,

Wenn euch der Ehestand drückt und plagt,

Ihr selbst verscherzet euer Glücke:

Der Ehestand  ist kein Marterhaus,

Ihr macht Pandorens Büchse draus,

Wer zwingt euch denn verkehrt zu wählen?

O, untersucht erst euren Trieb:

Seid klug, habt Gott und Tugend lieb,

So wird es euch an nichts, als nur an Reue fehlen.

 

Kann eine Wahl wohl glücklich sein,

Zu der sich Wahn und Irrtum fügen?

Wie mancher liebt nur sich allein,

Sucht in der Eh´ nur sein Vergnügen!

Wenn Pluto Ceres Tochter raubt,

So weiß ich wohl, dass mancher glaubt,

Das sei doch eine starke Liebe;

Doch Pluto sucht nur seine Lust

An jener unschuldsvoller Brust;

Was liebt denn dieser Gott? Nur seine eigne Triebe.

 

Ihr aber neu VERLOBTE ZWEI,

Ihr könnt den besten Segen hoffen;

Ihr liebt Euch rein, Ihr liebt Euch treu,

Und habt die schönste Wahl getroffen:

Es führet Euch kein blinder Zug,

Kein Hirngespinst, kein Selbstbetrug,

Ihr habt ein gleich gesinnt Gemüte,

Ihr teilt Vergnügung, Lust und Scherz,

Ihr liebt ein oft geprüftes Herz,

Dies alles aber zeugt stets neue Frucht und Blüte.

 

O munterer Anacreon,

O wärest du annoch im Leben!

Wie würde sich dein holder Ton

Anitze mit besserm Recht erheben!

Die Liebe, welche du gerühmt,

Ist nur mit fremdem Schmuck beblümt,

Sie ist ein wild – und böses Feuer;

Hier aber blüht ihr wahres Reich,

Hier treibt sie einen starken Zweig:

O griff ich jetzt wie du die wohlgestimmte Leier!

 

Ja Liebe, wer dich rühmen will,

Dem muß es an nichts Hohes fehlen:

Du herrschest weit, und bist doch still,

Und wirkst hauptsächlich in den Seelen,

Und dringst doch auch durch Mark und Blut;

Das Gute wird durch dich erst gut,

Wie reich bist du an süßen Gaben!

Dich kennt kein unerbauter Geist,

Nein, wer von deinen Früchten speist,

Muß keinen weichen Sinn und wilde Triebe haben.

 

Ihr kennt anitzt, VERLOBTES PAAR,

Die reine Wirkung wahrer Liebe,

Sie machet sich Euch offenbar

Durch angenehm´ und süße Triebe,

Es wohnet jetzt in Eurer Brust

Eín unumschränktes Reich von Lust,

Ihr habt ein gründliches Vergnügen,

Ihr dringt beinah in Eden ein,

Ihr könnt des Ehstands Muster sein,

Die Unschuld führet Euch mit auserwählten Zügen.

 

Ja, WERTHER BEIDE, glaubet nur,

Euer wahrlich ungemessner Segen

Bringt mich auf eine fremde Spur,

Ich bin auf nie betretnen Wegen,

ich sehe jetzt, vielleicht im Traum,

In einem weit gedehntem Raum

Ein ganzes Land vergnügter Seelen,

Ich – schaut dort wird ein Baum bewegt,

Der Euer Beider Bildnis trägt

Mit dieser Überschrift: Wer kann wohl besser wählen?

 

So recht, Ihr wählet was Ihr kennt,

Ihr kennet was Ihr liebt und ehret;

Bedenkt, was Euch die Vorsicht gönnt,

Erwägt, wie viel sie Euch gewähret;

Ihr liebet was ein Weiser sucht,

Vergnügung, Ruh (der Weisheit Frucht),

Erkenntnis, Freundschaft, wahre Güter,

Dies findet Ihr in Eurem Stand,

Euer jüngst geschlossnes Eheband

Enthält den höchsten Wunsch erhabener Gemüter!

 

GELIEBTER BRUDER, du allein

Kannst dein Lust und Ruh besingen,

Die Ruh ist sanft, die Lust ist rein,

Wer könnte es wohl höher bringen?

O säume doch nicht gar zuviel,

Ergreif Dein nettes Dichterspiel,

Du kennst ja Zither, Kiel und Töne,

Apollo ist Dir auch geneigt,

Und wenn auch der schon von Dir weicht,

So hast Du Musen gnug an deiner teuren Schöne.

 

GEEHRTE BRAUT, Ihr sanfter Sinn

Verdient Lob, Ehre, Ruhm und Segen,

O könnt ich doch wie Sabin

Ihr Lob der Welt vor Augen legen!

Mein Dichterrohr ist schlecht und klein,

Und kann nur mir in unserm Hain

Nicht selten zur Ermuntrung dienen,

Dort dicht´ ich öfters spät und früh,

Dort lässt die fromme Poesie

Mir oft in Bilderschrift die schönsten Früchte grünen.

 

So ists, mein schlechter Lautenschlag

Scheut sich an Ihrem Ruhm zu wagen,

Ich denke scharf, und sinne nach,

Und kann doch kaum die Hälfte sagen,

Drum will ich noch verschwiegen sein,

Genug ein jeder stimmt mit ein

Der Sie auch nur von weitem kennet,

Daß Tugend, Ehrfurcht, Zucht und Treu

Und die Vernunft ein Kleinod sei,

Das sich zu keiner Zeit von Ihrer Schönheit trennet.

 

So bald ein Weinstock Stamm und Bast

An einer Fichte angeschlossen,

So sieht man Blüte, Frucht und Ast

Viel häufiger aus Beiden sprossen,

Ihr Ansehn hat mehr Glanz und Kraft,

Und der vereinte Nahrungssaft

Dringt viel vergnügter in die Rinden;

So wird auch Euer Ruhestand,

VERTRAUTES PAAR, durchs Eheband

Stets neue Kraft und Geist und grössern Wachstum finden.

 

Lebt lange in unverrücktem Wohl,

Erhaltet Eure sanfte Triebe,

Und wenn ich’s wünschen kann und soll,

So mehret täglich eure Liebe;

Lenkt euren Geist, Kraft, Herz und Sinn

Hauptsächlich nach dem Schöpfer hin,

So sprosst die Ruh auch aus den Rasen;

Und lacht der armen Eitelkeit

Mit fröhlicher Gelassenheit,

Schaut, wie sie läuft und rennt, wonach? Nach Wasserblasen!

 

Mens laeta in gravibus constans, O seria laetis,

Nec feritate rigens, nec risu austere resolvens,

Prorsus sic media simper probitate refulgens,

Ur non ira trucem faceret, non gratia segnem.

B. Paullin. Petrocorius de Vit. Mart. Lib. V.

 

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