Casa Blanka
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Ewigkeit

Aufmunterung bei starken Kopfschmerzen

 

 

 

O, du, in dessen Unermesslichkeit

Die Höhe schreckt, der Abgrund tödlich dreut,

Schlund voller Schrecken gleich den höllischen Schlünden,

Wo soll ich Farben, dich zu schildern Finden?

 

Grundloser Ozean, der schnellen Zeit!

Du gibst und nimmst ihr ihre Wirklichkeit.

Wo sind die Sekeln, die nun nicht mehr gelten?

Grab unsrer Welt, und Quelle künftger Welten!

 

Schluss, Anfang, Leben, Tod, Eil und Verzug

Sind kaum bei dir zum leeren Ton genug.

Was hin, und was noch erst wird kommen müssen,

(Hier leuchtet uns kein Strahl des künftgen Lichtes)

Was wirklich ist muss endlich in ein Nichts

In deinem Mittelpunkt zusammenfließen.

 

Und Woche, Monat, Stunde, Tag und Jahr,

Was von euch künftig ist und was schon war,

Versammelt euch zu ungeheuren Höhen,

Und lasst die Rechenkunst erstaunet stehen!

 

Hört Stunde, Woche, Monat, Tag und Jahr!

Geht, teilt die Dauer ein, die euch gebar;

Verstärkt die Zahl von tagen und von Stunden;

Ihr stellt uns doch noch wohl ein Teilchen dar.

Sie gehn: wo bleibt ihr jetzt? sie sind verschwunden.

 

Und auch verschlinget sie der Helden Blut

Und mit ihm Glück, Trophäen, Kraft und Mut.

Der schönste Entwurf muss mit den Erfindern

Zuletzt die Zahl der Gegenwärtigen mindern.

 

Unsterblichkeit, worauf der Hochmut prahlt,

Ist bei dem Meer, das hier mein Pinsel malt,

So wie ein Bach, der jetzt durch Wiesen streifet

Und morgen schon im Ozean ersäufet.

 

Amasens Grab, Mausolens Ehrenmal

Auf Marmor stolz und stolz auf Ruhm und Stahl,

Umsonst erkühnst du dich durch späte Zeiten

Den Übermut unendlich auszubreiten.

 

Der Griechen Pracht, Rom deine Prahlerei

Gehn gleich dem Schatten unvermerkt vorbei.

Im Chaos, wo die Welten erst entsprungen,

Vermischt die Ewigkeit wie Staub und Spreu

Was niemals war mit dem, was schon verschlungen.

 

Wie dann? mein Geist, sonst stark, jetzt kleinlich schwach!

Gibst du so leicht dem schnöden Kummer nach?

Kann nur ein Schmerz mit fürchterlichen Tücken

Den hohen Sinn auf einmal unterdrücken?

 

Geh still von dir der strengen Weisheit nach.

Ein Augenblick begrenzt dein Ungemach.

verschiebe nur den Vorhang der dich blendet.

Mess die Unendlichkeit bei dem Gram.

Was einst nicht war, und einst den Anfang nahm

Ist doch wie nichts bei dem, was nie sich endet.

 

Nimm von der Hoffnung zu dem höchsten Gut

Ein muntres Herz Gelassenheit und Mut.

Denk, dass das Glück der Thoren hier auf Erden

Und deines in dem Schoß der Zukunft ruht:

Du bist noch nicht, das was du noch sollst werde.

J.P.L.Withof  ca. 1745

Haec aegris superest post omnia sola voluptas,

Hostis inhumana de feritate queri.

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